Der Weg ist das Ziel

Meilensteine

Entwicklung mit Jungs - Fortschritt mit Mädels

Meine ersten 13 Lebensjahre verbrachte ich auf dem Fußballplatz weitestgehend nur mit Jungs. In Dortmund bin ich aufgewachsen, ging ganz normal zu einer öffentlichen Schule und hatte nur Fußball im Kopf. Meine Anfänge in einer Mannschaft startete ich im Verein um die Ecke, beim Hörder SC. Mit 8 Jahren wechselte ich dann zum Hombrucher SV, einem ambitionierten Verein, bei dem ich sechs weitere Jahre in einer reinen Jungen-Mannschaft spielte. Dort genoss ich gelegentlich über den gesamten Zeitraum aufregende Spiele gegen nationale Top-Vereine wie Borussia Dortmund, VfL Bochum und dem FC Bayern München. Neben den regionalen Konkurrenten, mischten wir auch in einigen internationalen Turnieren mit. In meinem jungen Alter haben mir solche Spiele schon sehr gut geholfen, mich durch technische Fähigkeiten durchzusetzen. Die männliche körperliche Überlegenheit spielte dabei noch keine große Rolle.

Ebenso durfte ich dann schon im DFB-Stützpunkt der Jungs mittrainieren, in dem sich die besten Buben aus Dortmund zusätzlich zum Training trafen. Das war ein weiterer wichtiger Schritt für meine fußballerische Entwicklung. Dennoch kam die Zeit, wo ich mich dann für einen anderen Weg entscheiden musste, ohne dass ich das Kicken mit den Jungs aufgeben musste. Denn mir war auch bewusst, dass ich irgendwann nur noch mit Mädels spielen darf und darauf wollte ich mich vorbereiten.

Mit 11-12 Jahren stand ich zusätzlich auch im Aufgebot der Westfalenauswahl für Mädchen. Ein Sprungbrett für die Jugend-Nationalmannschaft. Insgesamt konnte ich mich in meiner frühen Jugendzeit gleichermaßen unter Jungs und Mädels auf dem Fußballplatz austoben. Mir gefiel beides. Die besondere, wenn auch manchmal schwierige Stellung unter Jungs und komplett unter Gleichgesinnten zu sein. Letztlich half mir beides, mich weiterzuentwickeln.

Im Zuge meiner Entscheidung für das Mädchen-Fußballinternat, wechselte ich in die C-Jugend des SuS Kaiserau (Jungen) und spielte teilweise noch bis zur B-Jugend nur unter Jungs. Bis die körperliche Überlegenheit und irgendein doofes Gesetz mich aus dem Jungenbetrieb hinauskatapultierte. Tschüss Jungs. Hallo Mädels. Mein Fokus gehört euch.

Opferbereitschaft, Dankbarkeit und Vertrauen

Bereits mit 13 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, einen entscheidenden Weg einzuschlagen, denn mir war früh bewusst, dass ich eine überdurchschnittliche Begabung für den Fußball habe und mein größter Traum die Nationalmannschaft ist. Ich durfte eine besondere Förderung des westfälischen Fußballverbandes genießen, indem ich den Mut besaß, mein gewohntes Umfeld zu verlassen und auf ein Mädchen-Fußballinternat in Kamen-Kaiserau zu ziehen. Die organisierte Vernetzung von einer guten schulischen Bildung und dem strukturierten Aufbau einer individuellen Talentförderung hat mir den Auftrieb gegeben, für meine persönliche Traumvorstellung. Ich habe mein Talent genutzt, um aus meinem Hobby meine Berufung zu machen. Dass ich auf diesem Weg einige Opfer bringen musste, so wie es jede/r ambitionierte Sportler/in tun muss, war zum Einen eine große Herausforderung für mich, zum Anderen eine Notwendigkeit für meinen inneren Drang nach etwas Großem.

Für diesen Abschnitt meines Lebens verspüre ich auch heute noch große Dankbarkeit gegenüber meiner Familie, deren Opferbereitschaft mir erst später wirklich bewusst geworden ist. Meinen engen Bezugspersonen, Freundschaften, bei denen ich weiß, dass sie bis ans Lebensende reichen. Trainerinnen und Trainer, die in mir mehr als nur ein Talent gesehen haben.

Allesamt haben sie mir sowohl eine zutiefst wertvolle Unterstützung geboten, als auch sehr viel Hoffnung zugesprochen. Ich brauchte nicht viele Menschen, die mich ganz ehrlich auf meinem Lebensweg begleitet haben. Es waren einfach genau die Richtigen. Aber auch diejenigen, die mich Unmut spüren ließen, gaben mir die Kraft daran zu wachsen. Ein Beweis dafür zu sein, dass ich es schaffen werde.

Herauszufinden, auf welche Menschen ich mich verlassen konnte und immernoch kann, hat mir ein gutes Gefühl an Vertrauen beschert.

Freiheit - Spielfreude - Angebot

Während der Zeit auf dem Mädchen-Fußballinternat war der Moment gekommen, an dem ich mich komplett von dem Vereinstraining mit Jungs verabschieden musste. Ich entschied mit 16 Jahren, mich dem FSV Gütersloh 2009 anzuschließen. Ich hatte dort bereits schon Wegbegleiterinnen und Freundinnen, die mir die Entscheidung leicht machten. Offiziell war ich schon für die Frauen-Mannschaft eingeplant. Gleichzeitig half ich in der U17 aus.

Wir spielten in der 2. Frauen-Bundesliga, hatten einen lustigen und bunten Haufen beisammen, in dem ich mich sehr wohlfühlte und ganz befreit aufdribbeln konnte. Zwei Jahre, in denen ich es einfach nur genossen habe, ohne spürbaren Druck Fußball zu spielen und keinen großen Ansprüchen gerecht werden zu müssen. Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, geht mir mein Herz auf. Mir war klar, wenn ich ein Junge gewesen wäre, hätte ich finanziell schon in meine Rente einbezahlen können. Aber im Frauenfußball bist du froh, wenn du in dem Alter schon etwas Taschengeld dazu verdienen kannst. Die eigentliche und viel bedeutsamere Bezahlung, die ich von dem Verein und dieser Mannschaft bekommen habe, war die Freiheit und die Freude am Spiel. Ich durfte mich Woche für Woche auf dem Platz frei entfalten. Ich durfte auf meiner Lieblingsposition 10 spielen, gab viele Vorlagen, schoss viele Tore und konnte gemeinsam mit meinen Mitspielerinnen viele Siege feiern, sodass wir im zweiten Jahr in die 1. Bundesliga aufstiegen.

Für mich persönlich gibt es nichts schöneres im Fußball-Leben, als mit Freiheiten und Spielfreude ein Spiel zu bestreiten. Ein Geschenk damals für mich, mein Talent hervorzuheben und so ein attraktives Angebot zu bekommen ...

Neugierde - Geduld - Erfahrungen

Mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga ergaben sich für mich mehrere Optionen. Letztendlich entschied ich mich für die größte Herausforderung. Mein gewohntes Umfeld in Kaiserau und Gütersloh verlassen. Noch weiter weg von Zuhause. Allerdings zu einemn aufstrebenden Verein, mit vielen guten und erfahrenen Spielerinnen vor meiner Nase. Das Gesamtkonzept des VfL Wolfsburg machte mich neugierig. Und Neugierde ist für mich immer eine wichtige Triebfeder. Ich war 17 Jahre jung, talentiert und ambioniert. Wird schon schiefgehen, so dachte ich.

Drei Jahre verweilte ich in Wolfsburg, mit Höhen und Tiefen, die viel von mir abverlangten. Alles in allem erlebte ich eine sehr schöne Zeit, gestützt von wahren Freundschaften, einigen Erfolgen, vielen Erfahrungswerten, Leistungsoptimierung und einer Menge Geduld, die irgendwann nicht mehr auszuhalten war. Denn ich erreichte nie den persönlichen Status, den ich mir erhofft hatte.

Das erste Jahr war in meinen Augen überragend. Ich lernte, mich über mein Talent hinaus noch gezielter weiter zu entwickeln. Den Fokus komplett auf den Fußball zu legen. Ganz eigenständig zu wohnen und leben. Den Mehrwert von engen Freundschaften innerhalb eines Teams voller Konkurrentinnen zu spüren. Härter zu trainieren. Persönliche Befindlichkeiten hinten anzustellen. Und am Ende der Saison belohnt zu werden. Mit ausreichend Spielzeit und drei Titeln im Gepäck. Deutsche Meisterin, DFB-Pokalsiegerin und Champions-League-Siegerin durfte ich mich nennen. Ein ganze Tüte voller Glücksgefühle, ich hatte Lust auf mehr. Viel mehr. Meine Familie war stolz, ich war stolz und auf einem guten Weg.

Im zweiten Jahr stiegen meine persönlichen Ansprüche, die nicht richtig befriedigt werden konnten. Mit der Zeit definierte ich mich nur noch über meine Einsatzzeit, die mir im Großen und Ganzen zu wenig erschien. Ich trainierte mehr, wurde reifer, aber konnte mich nicht wirklich als Stammspielerin durchsetzen. Ich kämpfte mit mir und war am Ende einfach unzufrieden, auch wenn wir letztendlich zwei weitere Titel holten. Zwischenzeitlich verletzte ich mich, fiel ein paar Monate aus und genoss die Rehazeit. Durchatmen. Kein Druck. Zeit, um sich zu besinnen und das Beste draus zu machen, nachdem die Krücken endlich weg waren. Die Reha stärkte meinen Körper und meinen Kopf rechtzeitig zur U20-Weltmeisterschaft in Kanada, bei der ich als Kapitänin auflaufen durfte.

Zurück in Wolfsburg ging es steinig weiter. Lange Geschichte, kurzer Sinn. Beim Abpfiff des letzten Spiels in Frankfurt verloren wir die deutsche Meisterschaft. Ich saß auf der Bank und heulte mich in den Armen meiner angereisten Familie aus. Im DFB-Pokalfinale, welches wir deutlich gewannen, bekam ich ebenso keine Spielzeit, machte aber eine gute Miene zum bösen Spiel. Das war es dann für mich. Ich brauchte einen Tapetenwechsel...

Dennoch bin ich für die Erfahrungen, die ich in Wolfsburg sammeln durfte, sehr dankbar. Das Positive überwog. Die Gier nach dem mannschaftlichen Erfolg, die Bestrebsamkeit, das Beste aus sich rauszuholen und das Verlangen, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, die man lange zurückgehalten hat.

Spielfreude - Lebensqualität - Traumerfüllung

2015 war ich noch unter Vertrag beim VfL Wolfsburg, liess mich aber zum SC Freiburg ausleihen. Ich wollte eine Veränderung, gleichzeitig den VfL nicht ganz hinter mir lassen. In Freiburg eröffnete sich mir eine neue Welt. Die Stadt hatte Charme. Von sonnigen Tagen geprägt und von Berglandschaften umgeben. Der Verein war klein und weniger professionell, ebenso mit schlechteren Bedingungen verknüpft. Die Mannschaft war talentiert und ich nahm wieder eine besondere Rolle ein. Für mich war es kein Schritt zurück, sondern ein Schritt Richtung Wiederbesinnung. Freiheit und Spielfreude standen wieder auf dem täglichen Programm. Zusätzlich genoss ich die besondere Lebensqualität des fernen Südens. Ich war vollkommen zufrieden und wurde am Ende des Jahres belohnt. Die erste Berufung für die Frauen-Nationalmannschaft. Mein Traum ging endlich in Erfüllung und sollte fortan fester Bestandteil meines Lebens sein.

Wir spielten eine tolle Saison und das Jahr ging schneller rum, als ich gucken konnte. Ich wollte nicht zurück nach Wolfsburg, auch wenn ich es nicht ganz aufgegeben hatte. Nach konstruktiven Gesprächen wurde ich ein weiteres Jahr ausgeliehen. Wir spielten noch besser, und das Leben in Freiburg gefiel mir. Ich kehrte nicht zurück nach Wolfsburg, sondern hing ein drittes Jahr dran.

Wir holten kein Titel, aber die drei Jahre in Freiburg gaben mir viel mehr, als das es irgendein Titel schaffen hätte können. Ich lernte, die tägliche Arbeit wichtiger zu nehmen, als das Resultat am Ende der Saison. Wir entwickelten einen unheimlichen Teamspirit über die Jahre, das hat vieles ausgeglichen. In mir enwickelte sich im dritten Jahr wieder dieser Drang hervor, nach mehr zu streben. Eine neue Herausforderung. Eine neue Möglichkeit, einem Titel doch wieder näher zu kommen?

Klopf, klopf ... Wer ist da?

Verlangen - Herausforderung - Zufriedenheit

Der FC Bayern München klopfte an die Tür. Von klein auf mein Lieblingsverein. Natürlich resultierend aus den Leistungen der Männer, aber die Frauen entwickelten sich ebenso zu einem Top-Verein in Deutschland. Wenn ich wechseln möchte, dann wird es wohl dieser Verein werden, dachte ich damals insgeheim und so kam es auch. Mich vom SC Freiburg zu verabschieden, fiel mir alles andere als leicht. Beim Abschiedsspiel heulte ich wie ein kleines Kind, ehe ich mich aufs Spiel konzentrieren konnte. Aber das innere Verlangen nach einer weiteren Herausforderung war nunmal vorhanden und dem musste ich nachgeben.

Also ich im Sommer 2018 in München als Nationalspielerin ankam, erlebte ich erstmal einen hollprigen Start. Die Saison verlief komplett anders, als ich es mir gewünscht hätte. Ich war keine feste Stammspielerin und verlor den Spaß an meiner Berufung. Das Schlimmste, was passieren konnte. Ohne Spaß ist es bekanntlich schwierig bei mir. Im Winter hatte ich etwas Luft zum Atmen und reflektierte meine Situation. Eine ordentliche Herausforderung, die ich aber gut meistern konnte. Denn mir wurde klar, dass ich mich wieder mal nur als Fußballerin definierte. Und genau das war mein Problem. Nichts anderes. Mir wurde bewusst, dass meine Gesamtsituation eigentlich total gut war. Ich lebte in einer tollen, vielfältigen Großstadt, ebenso umgeben von einer Kulisse an Bergen und Naturschönheiten. Ich hatte tolle Mitspielerinnen, Freunde und Bekanntschaften außerhalb des Fußballs, meine Familie kam oft zu Besuch, ich hatte andere Beschäftigungen zu tun und der Verein bot mir professionelle Bedingungen. Mein Fokus ging weg von der reinen Beurteilung meiner Leistung. Und das schaffte mir wieder eine glückliche Grundlage, um die Freude auch wieder ins Training und ins Spiel mitzunehmen.

Wir hätten beinahe einen Titel geholt. Im Sommer 2019 gab es einen größeren Umbruch in der Mannschaft und auch im Trainerteam. Ein neuer Prozess startete im Verein, der in der folgenden Saison fußballerisch spürbar war. Der Druck war da, einen Titel zu holen, es ist uns nicht gelungen. Trotzdem glaubte ich an den Prozess und war insgesamt weiterhin glücklich. Der Fußball ist eben nicht alles und mein Glück ist nicht abhängig von Titeln, auch wenn ich natürlich weiterhin danach strebte und immer noch strebe.

Dann kam die Saison 2020/21, diese empfand ich als ganz besonders. In erster Linie gab es für die ganze Welt die neue Herausforderung namens Corona. Auf das Fußballerische bezogen entwickelten wir einen enormen Teamspirit, auf und neben dem Platz. Eine Vorzeigetruppe, die wusste, dass das gute Verhältnis untereinander dazu führen kann, dass man auf dem Platz sich automatisch füreinander den A*** aufreisst. Das hat mir nicht nur den Alltag bereichert, sondern auch für viele tolle Erinnerungen gesorgt und letztlich endlich wieder einen Titel beschert. Die deutsche Meisterschaft. Ein Tag, der alles an Gefühlen aus mir rausholte. Freude, Stolz, Glück, Erleichterung.

Doch wie man so schön sagt: Erfolg ist vergänglich. Und das ganz schnell.

Nun bin ich im vierten Jahr beim FC Bayern München. Im zweiten Jahr als Kapitänin. Zufrieden mit meinem Leben und gespannt was die Zukunft so bringt :-)

Traum - Weg - Traumerfüllung

Videobeweise sind im Fußball modern geworden. Zumindest im Männerbereich. Damals, als ich etwa 5 Jahre alt war, war daran noch nicht zu denken. Mein Papa hat im privaten Leben allerdings gerne mal bei uns die Kamera draufgehalten. Und dabei entstand ein Video, in dem ich mal wieder mit meinem Bruder auf dänischem Rasen zur Urlaubszeit energiegeladen Fußball spielte. Er fragte uns, was wir mal werden möchten. Mein Bruder sagte, wie aus der Pistole geschossen „Fußballer und Lehrer". Wie der Lehrer-Gedanke zustande kam, kann ich mir nicht erklären. Ich, als kleinere Schwester, zog nach. Fußballerin und dann natürlich auch Lehrerin. Warum auch immer.

Mein größter Traum war es, für die Nationalmannschaft zu spielen. Und das habe ich geschafft. Seit der U15 durfte ich mich in Sichtungslehrgängen zeigen und nahm ab diesem Zeitpunkt jede Jugend-Nationalmannschaft mit. Mit eingeschlossen einige Turniere, Europa- und Weltmeisterschaften. Seit Ende 2015 bin ich deutsche Nationalspielerinnen und wahnsinnig stolz darauf.

Die Zeit mit den Jugendnationalmannschaften habe ich sehr genossen. In erster Linie, weil ich mich dadurch extra gefördert fühlte und mich mit den besten Mädels aus Deutschland sowohl messen, als auch weiterentwickeln konnte. Darüber hinaus habe ich enge Freundschaften, Wegbegleiterinnen und unterstützende Trainer*innen gefunden. Ebenso durfte ich in meinem jungen Alter schon viel von der Welt sehen, in organisierter und fußballf-okussierter Form. Ein Traum. Das war für mich eine unheimlich spannende Jugendzeit. Denn während Andere in meinem Alter brav und regelmäßig in die Schule gingen, bekam ich zwischendurch die Ausnahme zugeschrieben, für einen gewissen Zeitraum in ein anderes Land zu reisen und Fußball zu spielen. Um alle Länder aufzulisten, fehlt mir der Überblick, besonders prägend waren die Trainingslager in der USA und in Spanien, die 4-Nationen-Turniere in den skandinavischen Ländern, die U17-Weltmeisterschaft in Trinidad & Tobago und die U20-Weltmeisterschaften in Japan und Kanada. Der Fußball hat mir schon früh die Offenheit und Vielfalt anderer Länder und Kulturen gelehrt. Grandiose und unbezahlbare Erfahrungswerte!

Zu meinen frühsten Erfolgen zähle ich besonders den Gewinn der U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Als Kapitänin einer dezimierten Mannschaft, aufgrund einiger wichtigen verletzten Spielerinnen im Vorfeld, haben wir überraschend gewonnen. Dieses Turnier hat mir eindrucksvoll gezeigt, wie enorm wichtig Teamspirit und der Zusammenhalt innerhalb einer Mannschaft ist und dass eine geschlossene Energieleistung ein vermeintlich talentiertes Team besiegen kann. Und das nicht nur einmal.

Und jetzt? Heute ist Sonntag, der 31. Juli 2022, 11:50 Uhr. Wir stehen im Finale der Fußball-EM in England. 90.000 Zuschauer. Eine Mannschaft, ein Ziel. Und ich mitten drin. Ich könnt weinen vor Glück. Und lachen. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.

Von klein auf ballverliebt

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Ein großer Bruder kann Vor- und Nachteile mit sich bringen. In meinem Bruder habe ich allerdings nur Vorteile gesehen. Wir liebten von Anfang an dieselbe Sportart und durch ihn lernte ich schon früh mich durchzusetzen. Beim Fußball, bei Diskussionen und beim Kloppen. Alles auf einer Ebene der Geschwisterliebe. Mein Wegbegleiter – aktiv und passiv. Mein großer Bruder, der weiß, wie ich ticke und welche Unterstützung es in welchen Situationen braucht.

Nicht zu vergessen: Die starke Unterstützung meiner Mutter. Die selber mal gekickt hat zu einer Zeit, wo das als gar nicht so toll angesehen war. Mein größter Fan. Die beste Mutter, die man sich vorstellen kann.

Auch Papa hat gekickt und versucht es teilweise heute noch. Seine Selbstüberschätzung an Talent hat ihn wahrscheinlich nicht weiterkommen lassen, als bis zu den Erfolgen mit der Altherren-Truppe.

Mehr als nur Fußball ...

Beruflich habe ich mich nicht nur auf den Fußball fokussiert. Nach meiner Ausbildung zur Bürokauffrau arbeitete ich eine Zeit lang in einer Werbeagentur, was mir viel Freude bereitet hat. Trotzdessen wollte ich mich noch einmal in eine andere Richtung weiterentwickeln und begann deshalb ein Studium in der Ernährungsberatung. Früher habe ich mir gar nicht so viele Gedanken um eine gesunde Ernährung gemacht. Meine Einstellung dazu änderte sich erst, als ich auf das Mädchen Fußballinternat in Kaiserau wechselte.

Ich fing an, mich mehr für meine Ernährung zu interessieren. Ich wusste bis dato gar nicht, ob ich mich gut oder schlecht ernährte. Ich wusste nur, dass ich gut kicken kann und Energie dafür brauche. Heute ist mir bewusst, was mir und meinem Körper gut tut. Und vor allem weiß ich, wie ich meine Leistung als Fußballerin durch die richtige Ernährungsweise unterstützen kann.

Play for Her

Das Thema Gleichberechtigung liegt mir sehr am Herzen. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen. Mit meinen Kolleginnen Laura Vetterlein und Julia Simic habe ich die Frauenfußball-Plattform "Play for Her" ins Leben gerufen. Damit möchten wir junge Fußballerinnen inspirieren und ihnen Mut machen, ihre Ziele zu verfolgen.

Indem wir unsere sportliche und berufliche Erfahrung über Social Media teilen und Einblicke in den Profi-Alltag geben, wollen wir zeigen, dass der Sport Grenzen und Vorurteile sprengen kann. Und vor allem: wie weit Mädchen und junge Frauen kommen können, wenn sie unbeirrt ihren Weg gehen.

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